Aktivkohle im Aquarium, gut oder schlecht? 16.05.2016 11:06

Aktivkohle-Filterung im Aquarium.

Gleich vorab sollten Sie wissen, dass wir Filterung mit Aktivkohle nicht generell ab lehnen, denn in manchen Fällen kann diese nützlich sein.
Nach Medikamenten-Einsatz kann man nach erfolgreich beendeter Kur die Medikamenten-Rückstände sehr gut mit Aktivkohle entfernen.
Auch um gelbe Färbungen oder Gerüche aus dem Wasser zu entfernen ist Aktivkohle gut geeignet.
Selbst um das Wasser keimfreier zu machen kann ein kurzzeitiger Einsatz mit frischer Aktivkohle hilfreich sein.

Allerdings sollte der Einsatz der Aktivkohle wirklich nur kurzzeitig sein und nur Stunden, aber nicht Tage oder Wochen betragen.

Kurzzeitig bedeutet den Wasser-Inhalt des Aquariums 10-30 mal über den Filter laufen zu lassen und dann die Aktivkohle nicht mehr zu verwenden.



Lesen Sie warum Aktivkohle im Aquarium schädlich sein kann.



Immer wieder kommt es vor, dass Aktivkohle im Aquarium auch für Probleme verantwortlich ist.

Warum Aktivkohle sogar schädlich für das Wassermilieu ist wissen die wenigsten, zumal man diese Filter-Methode ausdrücklich für das Aquarium empfiehlt.

Oft wird auch Aktivkohle schon bei Filter Kauf als Filter-Material für das Aquarium mit geliefert.
Ein Schelm, der böses dabei denkt und nach Kenntnis dieser Info auf den Gedanken kommen könnte, dass vorprogrammierter Misserfolg dahinter stecken könnte.

Aktivkohle wird Heute hauptsächlich mit Braunkohle, aber auch mit Holz, Kokosnuss-Schalen und ähnlichen Materialien durch spezielle Verfahren her gestellt.
Um eine große Oberfläche zur Aufnahme von Stoffen zu erreichen wird die Kohle mit hohem Druck durch Wasserdampf und hoher Temperatur durch hinzufügen von Sauerstoff und Kohlendioxid auf bereitet.

Durch hinzufügen von Salzen kann man die aufnehmende Oberfläche nochmals zusätzlich enorm vergrößern.
Dieses Salz, meist Zink-Chlorid wird im weiteren Verarbeitungsprozess wieder aus der Kohle gelöst.

Auf diese Weise ist es möglich, dass Aktivkohle bis 50% ihrer Eigenmasse an Stoffen auf nehmen kann.

Bessere Aktivkohle, die meist auch Verwendung für die Aquaristik an geboten wird oder werden sollte, ist Aktivkohle die aus Holz, statt aus Braunkohle gewonnen wird.
Auch hier ist der Herstellungsprozess ähnlich wie oben beschrieben.

Natürlich verteufeln wir hier Aktivkohle nicht, denn diese ist ein Segen für viele Anwendungsbereiche.

Es gibt unzählige positive Möglichkeiten für den Einsatz von Aktivkohle, so auch zur Trink-Wasser-Aufbereitung, aber trotzdem nicht zur Wasseraufbereitung im Aquarium.

In der Reinigung von Trinkwasser entfernt Aktivkohle organische Verschmutzungen, halogenierte Kohlen-Wasserstoffe, Gerüche, Geschmacksbeeinträchtigungen, Verfärbungen und vieles mehr.

 

Aktivkohle ist wirklich ein Tausendsassa.

 

Warum aber keine Aktivkohle auf Dauer im Aquarium?

 

Aktivkohle ist unersättlich und adsorbiert wirklich alles was Ihr vor die Poren kommt.

Im Aquarium werden damit wichtige Nährstoffe für die Wasser-Pflanzen entfernt.
Aktivkohle nimmt Eisen, Kupfer und vieles andere als wichtige Spurenelemente für Pflanzen auf:

Ohne diese kommt es zu Mangelerscheinungen bei den Pflanzen und in der Folge damit auch häufig zu unerwünschtem Wachstum von Algen.

Auch Kohlendioxid wird neben vielen anderen Stoffen von der Aktivkohle auf genommen.
Bekannt ist auch, dass das durch Kohle fließende Wasser ionisch kontaminiert wird.
Dies bewirkt elektrochemische Veränderungen im Wasser.

Siehe dazu:
“Nachteil der Aktivkohlen ist, dass sie ionische Kontaminanten an das zu reinigende Wasser abgeben.“
Quelle:
http://www.chemieunterricht.de/dc2/chromato/aktivkohle.htm


Kurz-Info zu Chemisorption:
Chemosorption, eine mögliche Art der Adsorption, bei der die adsorbierten Moleküle meist irreversibel durch eine chemische Bindung an der Oberfläche des Festkörpers festgehalten werden.
Typische Werte für die Enthalpie der Chemisorption liegen bei 200 kJ/mol und somit um eine Zehnerpotenz über denen der Physisorption.
Es kann bei der Chemisorption zu einer Spaltung der adsorbierten Moleküle kommen.
Die entstehenden reaktiven Fragmente sind die Voraussetzung für eine heterogene Katalyse.
Quelle:
http://www.spektrum.de/lexikon/physik/chemisorption/2354
 

Etwas weit her geholt, wird so mancher Leser jetzt denken, aber man sollte immer alle Ursachen in Betracht ziehen wenn es zu Problemen mit dem Aquarium kommt.
Kohle-Filterung ist eine häufige Ursache für mögliche Probleme und mit Absetzung der Aktivkohle funktionierten viele Aquarien plötzlich wie gewünscht.

Hinzu kommt, dass Aktivkohle im Verbrennungsprozess gewonnen wird und durchaus auch Verbrennungsrückstände an das Wasser ab gegeben werden können.
Besonders heikel sind hier unter einigen anderen polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe die als krebserregend gelten.

 

„(PAK entstehen bei der Pyrolyse (unvollständige Verbrennung) von organischem Material (z. B. Kohle, Heizöl, Kraftstoff, Holz, Tabak) und sind deswegen weltweit nachzuweisen.“

“ Die Aufnahme der Schadstoffe erfolgt durch die Nahrung und Trinkwasser, durch die Atmung der belasteten Luft über die Lunge (wobei Autoabgase und Tabakrauch für die allgemeine Bevölkerung am bedeutendsten sind) sowie durch die Haut.“
 Quelle Wikipedia:

Auch dieser Artikel gibt zu denken, der auf einem Testbericht von Öko-Test bassiert.

Oft wird versucht zwischen Holzkohle und Aktivkohle zu differenzieren obwohl die Herstellungsprozesse ähnlich sind.
Aktivkohle hat eindeutig eine größere Oberfläche und wesentlich bessere Adsorbtionseigenschaften, aber ob sie deswegen weniger schädliche Inhaltsstoffe enthält ist mehr als nur fraglich.

Wir fanden auch heraus, dass Aktivkohle zum aufnehmen von PAK ein gesetzt wird.

Alles etwas verwirrend und schlecht durchschaubar, aber erhebliche Zweifel bleiben, wobei Verkeimung und Adsorption von Spuren-Elementen Tatsachen sind die nicht verleugnet werden können.

Seltsamerweise gibt es über Aktivkohle keine wirklichen Studien und es stellt sich erst nach und nach heraus, dass diese durchaus einige negative Auswirkungen hat.
Aufklärung wäre hier von Nöten, denn Aktivkohle wird im privaten Bereich für Wasserfilter, zur Filterung von Rauch in Pfeifen und Zigarettenspitzen eingesetzt und da sollte man genau wissen was das größere oder kleinere Übel sein könnte.

So ist die Verkeimungsgefahr der Aktivkohle immens, besonders wenn diese in warmen Wasser, wie in unseren Aquarien gegeben, verwendet wird.

Verbraucherzentralen und andere amtliche Stellen warnen schon lange vor der Verkeimung in Kohle-Wasserfiltern.

Aktivkohle ist ein hervorragender Nährboden für Mikroorganismen aller Art und in Hauswasser-Filtern wurden schon Keimzahlen fest gestellt welche viele hundertfach über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung lagen.
Je wärmer das Wasser, desto schneller findet die Verkeimung statt.

Das nächste Kriterium ist, dass Aktivkohle Stoffe nicht nur bindet, sondern diese auch wieder an das Wasser ab gibt.
Stoffaufnahme und Stoffabgabe sind ein beständiger Vorgang wobei der Großteil der Stoffe bis zur vollständigen Beladung der Aktivkohle gebunden bleibt.
Mit Sättigung zur Aufnahme von Stoffen werden auch adsorbierte Stoffe wieder zum großen Teil an das Wasser ab gegeben.
Inwieweit diese chemischen Veränderungen unterliegen kann man auf Grund der obigen Hinweise nur vermuten.

 

Kontrolle hat man weder über den Zustand der Verkeimung der Aktivkohle, noch darüber, wann diese gesättigt ist.
Dies kann beides sehr schnell gehen.



Keine Panikmache von unserer Seite, denn auch wir kamen nur zufällig auf die Auswirkungen die übersättigte und länger genutzte Aktivkohle haben kann.

Ein Kunde mit 13 Diskus in einem 800 Liter Aquarium berichtete vor einigen Tagen, dass die Tiere dunkel verfärbt waren, sehr schreckhaft und zurück gezogen reagierten, Futter kaum an rührten und immer schlechter aus gesehen haben.

Diese Symptome durch Keime sind uns gut bekannt, doch nutzten die Maßnahmen die sonst schnell zum Erfolg führten leider nichts.
Wir machten lange an dem Problem herum bis wir darauf kamen, dass der Kunde mit Aktivkohle im Außenfilter arbeitete. Diese sogar über 4 Monate im Einsatz hatte.

Kohle raus aus dem Filter, wieder Wasserwechsel gemacht, unser Bio EM zu gegeben und mechanisch mit Zeolith gefiltert beendete den Spuk innerhalb von 4 Tagen.
Diskus fraßen wieder, waren nicht mehr scheu, versteckten sich nicht mehr und zogen wieder majestätisch durch das Becken.
Es ging Ihnen wieder richtig gut.

Massenhaftes Sterben von Garnelen stellte sich letztlich auch oft durch den Einsatz von Aktivkohle wegen zu hoher Keim-Belastung heraus.

Eine Kundin berichtete ebenfalls von gestorbenen Fischen und machte erst die Vollentsalzer, dann die Aktivkohle dafür verantwortlich.
Letztlich sogar uns, weil sie diese Produkte bei uns kaufte.
Allerdings bereitete sie zwei Monate ihr Wasser ohne Probleme auf und erst nach zwei Monaten monierte diese, dass das Wasser urplötzlich nach Chemie rieche und schmecke.

Wir testeten die Vollentsalzer und stellten einwandfreie Funktion der Harze, die Ausgangs-Wasserwerte betreffend fest.
Nachvollziehbar war die Angelegenheit nicht, denn für die Kundin waren erst die Harze, dann die Aktivkohle und letztlich wir schuld.
Den Verdacht warmes Wasser aus der Leitung, durch den Kohle-Filter und die Vollentsalzer gelassen zu haben, dementierte diese.
Bei Betreibung von Aktivkohle mit warmem Wasser und nur gelegentlicher Nutzung des Kohlefilters können sich Bakterien schneller vermehren als man schauen kann.

Immerhin verdanken wir ihr diesen Bericht weil wir der Sache auf den Grund gehen wollten.
So einen extremen Fall gab es allerdings trotz intensivster Recherche niemals zuvor.

Weitere durch Aktivkohle bedingte Probleme kamen öfter vor, allerdings meist in Bezug auf das Wachstum der Pflanzen.
Oft dadurch, dass diese typische Mangelerscheinungen zeigten oder sich regelrecht auf lösten.

Wir warnen schon lange davor, dass Filterung mit Kohle im Aquarium kontraproduktiv ist, da wichtige Spurenelemente adsorbiert werden.

Über die Erhöhung des Leitwertes durch Aktivkohle berichteten wir schon und auch darüber, dass der Phosphat-Gehalt des Wassers durch manche Aktivkohlen ansteigen kann.

Auch Aktivkohle die mit Silber betrieben wird schützt nicht vor Keimen, da es auch einige silberesistente Keime gibt.
Zudem wird das Wasser mit Silber über Gebühr angereichert.
Silber wirkt immer antibakteriell und macht keine Unterschiede bei Mikroorganismen.

 

Zum guten Schluss:

Argumente von Verfechtern der Kohle-Filterung sind, dass diese auch in der Medizin, zum Beispiel bei der Blutwäsche ein gesetzt wird.
Das ist richtig, aber hier wird die Aktivkohle mit speziellen Verfahren ein gesetzt und nicht einfach mit einer vor geschalteten Filterpatrone.

Medizinisch wird Aktivkohle bei Durchfall-Erkrankungen und Vergiftungen des Magen Darm Trakts eingesetzt.
Aktivkohle bindet Bakterien, Toxine, sowie vieles mehr und gelangt bei oraler Einnahme nicht in den Organismus.
Aufgenommene Stoffe werden über den Stuhl schnell wieder mit der Aktivkohle aus dem Körper aus geschieden.
Ach hier liegt der gravierende Unterschied zur Wasser-Filterung, bei der die Kohle bis zur Übersättigung beladen wird.

Wasserfilter betreffend fanden wir heraus, dass es schon durchaus zu Schwermetall-Vergiftungen durch Aktivkohle gekommen ist.
Hier werden Schwermetalle gebunden bis die Kohle gesättigt ist und dann wieder in weitaus höherer Konzentration als im Eingangs-Wasser vorhanden ab gegeben.
Auch dieser Umstand könnte ein Aquarium über Gebühr belasten.

Wie überall wird dementiert, vertuscht und beschwichtigt.
Wir studierten einige Labor-Ergebnisse und Test-Berichte über Wasser-Filter mit Aktivkohle und kamen zu dem Schluss diesen Artikel zu schreiben.
Zum Schutz Ihres Aquariums und dessen Bewohner.

Man soll nicht immer alles glauben was so versprochen wird, sondern den Dingen auch auf den Grund gehen.
Nur wer mögliche Problem-Verursacher kennt kann diese vermeiden, oder etwas dagegen tun.

 

Mit obiger Recherche und Kenntnis möglicher Probleme reagierten wir hier auch indem wir damit schon das zweite Produkt, den Trinkwasser-Filter mit Aktivkohle-Patrone aus dem Programm nahmen.
Wie schon zuvor das Zeolith-Pulver zur Wasseraufbereitung, nachdem uns ein Chemiker darauf aufmerksam machte, dass aufgenommene Stoffe im Boden des Aquariums reaktiviert werden.

Aktivkohle boten wir in unserem Shop noch nie an, da uns der Entzug von Nährstoffen für Wasserpflanzen schon lange bekannt gewesen ist.





 



 

 

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