Ammonium und Ammoniak im Aquarium 23.06.2011 18:18

 

Ammonium und Ammoniak im Aquarium.

 

 

Ammoniak ist ein hochgiftiges Gas für alle Organismen.
Dieses hat einen beißenden Geruch der durch Zersetzung organischer Materie (Eiweißen) aus dem Ammonium entsteht.

Die Giftigkeit des Ammoniaks für unsere Fische (auch Mikroorganismen und Pflanzen) hängt damit zusammen, dass Ammoniak besonders gut in Wasser gelöst wird.

Hier möchten wir ellenlange Ausführungen zu Ammoniak ersparen und einfach nur auf die Bedeutung für das Aquarium eingehen, die oft mit nicht unerheblichen Auswirkungen einfach unterschätzt wird.

Besonders bei Zimmertemperatur, wie diese in etwa in unseren Aquarien gegeben ist, ist die Löslichkeit des Ammoniak immens hoch und es kann sich eine zigfache Menge an Ammoniakgas zu der Literzahl des Wassers daraus entwickeln.

Die Gefährlichkeit für unsere Fische besteht darin, dass daraus Augen, Kiemen und Schleimhautverätzungen entstehen können und hieraus erklären sich oft auch ausgefranste bis fehlende Schwänze bei Fischen.

Dieses Problem ist keine Seltenheit, wird auch entsprechend oft auf gewissen Seiten erörtert, wozu ich allerdings noch nie einen Hinweis auf eine richtige und derartige Diagnose lesen konnte.

Besonders Guppy und andere Langfloßler sind davon häufig betroffen.
Meist sind es nicht Artgenossen die dafür verantwortlich sind, dass die Flossen aus gefranzt sind sondern einfach eine viel zu hohe Ammoniakkonzentration im Wasser.

Nicht gerade selten sind außerdem Lungenödeme durch Ammoniak für plötzlichen Tod von Fischen verantwortlich.
Zerstörung des Gewebes der Kiemen die sich meist durch Unlust zum Fressen bemerkbar macht und Anzeichen eines Sauerstoff-Mangels sind erste, aber mehr als deutliche Symptome. 

Je höher der pH-Wert, desto größer wird die Gefahr für unsere Fische und Pflanzen.
Besteht nur ein geringes oder gar kein osmotisches Gefälle zum Blut des Fisches und des Wassers kann der Fisch den Ammoiniak nur gering oder gar nicht über die Kiemen aus scheiden.
Es entsteht ein Stau des Ammoniak im Blut der Fische mit entsprechenden, bis tödlichen Folgen!

 

Wie kommt es aber zu einer zu hohen Konzentration von Ammoniak im Aquarium?

 


Schlechte Nitrifikation durch Sauerstoffmangel mit zu langsamer Wandlung des Ammoniaks in Nitrit ist nur eine Ursache und bei schlechter, unzureichender Filterung über mit Schmutz zu gesetzten Schaumstoff sicher auch nicht gerade eine seltene.

Gravierender aber ist, dass es infolge pH Veränderungen in den basischen Bereich zu einem Dissoziationsgleichgewicht mit Umwandlung von Ammonium in Ammoniak kommt.

Ein Anstieg des pH von 6,9 auf nur 7,1 macht sich hier schon bemerkbar. 

Die Ammonium-Düngung für kräftiges Pflanzen-Wachstum an zu preisen und sogar zu empfehlen mit Hirschhornsalz Ammonium in das Aquarium zu geben ist einfach nur sträflich und zeugt von Unwissenheit solcher Berater.

Botanisch unmöglich ist, dass Pflanzen wegen fehlendem Ammonium nicht wachsen können, sofern Nitrat im Wasser vor liegt.
Wenn Pflanzen nicht wachsen, sofern diese alle Nähr-Elemente haben, dann liegt eine andere Ursache, möglicherweise auch im Wasser-Milieu selbst vor.

Wer sagt überhaupt, dass im Aquarium kein Ammonium vor liegt?
Ach ja, die schlauen Herren in den Foren, aber die Wissenschaft sagt völlig anderes und das ist kein Blödsinn!

In Wasser mit Fischbesatz, bei pH-Werten unter 7,0 liegt das Stickstoff Verhältnis nämlich berechenbar vor.
Es besteht in etwa zu 14 % aus Ammonium, zu 1,0 % aus Nitrit und zu 85 % aus Nitrat in mäßig belasteten Aquarien mit ausreichender Nitrifikation.

Diese Zahlen kommen zustande weil die nitrifizierenden Bakterien keine Hochleistungen vollbringen können, sondern gemächlich ihre Arbeit tun.

(Wegen eventueller Fragen vorab;)
Die 1,0 % Nitrit bedeuten nicht gleich 1,0 mg/l Nitrit im Wasser, sondern Nitrit ist in diesem Fall mit unseren Test nicht nachweisbar.

Was passiert wenn wir Ammonium in das Aquarium geben?

Es entsteht sofort Ammonium bei pH-Werten über 7,0 weil die um wandelten Bakterien die Ammonium/Ammoniak zu Nitrit//Nitrat oxidieren total überlastet sind und diese Menge gar nicht verkraften können.

Die Umwandlung der Stoffe geht zu Lasten des Sauerstoffes im Aquarium, da der Sauerstoff-Bedarf zur Oxidation immens hoch und in den meisten Aquarien ohnehin zu gering ist.

Wussten Sie, dass für nur 1,0 mg Ammonium ganze 4,6 mg Sauerstoff (!) verbraucht werden um den Ammoniak über Nitrit zu Nitrat zu oxidieren?
 
Dass Pflanzen Nitrat als Stickstoff bevorzugen, in geringem Maß auch Ammonium unter großem Aufwand verstoffwechseln können wurde in dem Artikel über Ammonium ausreichend behandelt und dass sich ausschließliche Ammoniumernährung negativ auf diese auswirkt.
Abgesehen davon, liegt Ammonium in geringem, tolerantem Maß ohnehin in jedem Aquarium vor, bevor es bei pH-Werten unter 7,0 zu Nitrit oxidiert wird.

Wie sich die Zugabe von zusätzlichem Ammonium, es entsteht im Aquarium sowieso schon im Überfluss, auf das Verhältnis Ammonium/Ammoniak aus wirkt dürfte hier auch jedem klar sein.
Aus Ammonium entsteht bei pH-Werten über 7,0 Ammoniak, während bei pH unter 7,0 Ammoniak gar nicht vor kommt.

Leider sind es wirklich nur sehr wenige Aquarianer die überhaupt pH Werte unter 7 im Aquarium haben und deren Probleme sind oft auf hohe Ammoniak-Konzentrationen zurück zu führen.

Bei einem pH Wert von 7 ist das Verhältnis Ammonium/Ammoniak 99:1 und hier mit steigender Tendenz mit steigendem pH Wert.
Bei pH 9 liegt das Verhältnis schon bei 70:30 und bei pH 10 bei 5:95

Viele Aquarianer, besonders Neueinsteiger kennen ihre pH Werte im Aquarium gar nicht und nicht selten hatten wir Aquarianer mit Problemen die nach Info durch uns wenigstens den pH messen ließen.
Nicht selten mit der fachkompetenten Aussage, dass das Wasser noch mit pH 8 in Ordnung sei.

Durch biogene Entkalkung des Wassers, besonders durch prächtig gedeihende Algen erlebten wir aber auch durchaus schon pH Werte von > 9 die selbst mit Bio CO2 Zugabe innerhalb von 2 Tagen auf 7,5 herunter gegangen war weil die Algen den Karbonaten nicht mehr das CO2 entzogen.

Auf den Zusammenhang mit Algen durch Ammoniak, besonders Blaualgen (Cyano Bakterien) die in der Lage sind Ammoniak und Schwefelwasserstoff selbst zu erzeugen kommen wir an anderer Stelle noch.

Zu jedem Thema gibt es verschiedene Meinungen.
Die einen berichten, dass Ammonium-Düngung nichts bringt, andere glauben, dass es etwas bringt.
Die meisten berichten, dass es nichts bringt, berichten von verkrüppelten Trieben, die logisch sind, da unter anderem auh der für die Pflanze lebenswichtige Sauerstoff durch die überhöhte Nitrifikation zuwenig ist.

Sauerstoff-Mangel stresst die Pflanze nicht nur, sondern die Sauerstoff-Sättigung in der pflanzlichen Zelle kann so stark ab fallen, dass die gesamte Energie-Versorgung zusammen bricht.

Ammoniak und Ammonium gehören bei pH-Werten über 7,0 zusammen und die geringfügige Ammonium-Aufnahme der Pflanze rechtfertigt nicht die Nachteile durch die Ammoniak-Entstehung.

Wir haben es mit exotischen Fischen und Pflanzen zu tun die nur eine sehr geringe Toleranz gegen ein zu viel an Stoffen, welcher Art auch immer haben.

Darum können wir nur jedem Aquarianer raten unbelastetes Wasser für das Aquarium her zu stellen und danach zu trachten, dass der pH-Wert des Wassers den zu haltenden Fischen und Pflanzen gerecht wird.

Hier geht es nicht darum Vollentsalzer zu verkaufen, denn zumindest das Ammonium-Ammoniak Problem lässt sich ganz einfach mit mechanischer Filterung über Zeolith preiswert und einfach lösen.

Hunderte mit Malawi-Aquarien wendeten sich schon wegen oben angeführter Krankheits-Anzeichen an uns, da hier wgen dem hohen pH-Wert der Ammoniak-Gehalt des Wassers weit über der Toleranz-Grenze der Tiere lag.

Durch mechanische Filterung mit Zeolith, die Ammonium auf nimmt starben und erkrankten keine Fische mehr, das gesamte Wasser-Milieu verbesserte sich und nur darum geht es in der Aquaristik, um das Wohl von Fischen und Pflanzen.


 

Ammonium-Düngung, ja oder nein, entscheiden Sie selbst für sich und lassen Sie sich kein X für ein U vor machen.


 

Lesen Sie über Ammoniak auch auf Wikipedia.
Auszug daraus:

Von der Gefahr einer Vergiftung durch Ammoniak sind wegen der guten Wasserlöslichkeit des Ammoniaks insbesondere Fische und andere Wasserlebewesen betroffen.
Während viele Fischarten nur geringe Ammoniakkonzentrationen vertragen, haben einige Arten spezielle Strategien entwickelt, auch höhere Konzentrationen zu tolerieren.
Dazu zählt die Umwandlung des Ammoniak in ungiftigere Verbindungen wie Harnstoff, oder sogar Pumpen, um Ammoniak aus dem Körper aktiv zu entfernen, die bei Schlammspringern beobachtet wurden.[64] Ammoniakvergiftungen kommen in der Teichwirtschaft und Aquaristik vor. Ursachen können die Verunreinigung des Wassers mit Gülle oder Düngemitteln sowie der Anstieg des pH-Wertes mit Verschiebung des Dissoziationsgleichgewichts in Richtung Ammoniak sein. Betroffene Fische zeigen eine vermehrte Blutfülle (Hyperämie) und Blutungen in den Kiemen und inneren Organen sowie eine vermehrte Schleimproduktion der Haut. Bei höheren Konzentrationen kann es zum Absterben von Flossenteilen, Hautarealen oder Kiemen, zu zentralnervösen Erscheinungen oder zum Tod kommen.[73]

Quelle Wikipedia

Ein Nachweis von Ammonium im Trinkwasser ist ein Zeichen von Verunreinigung des Wassers.
Warum also sollen wir unser Aquarium-Wasser mit zusätzlich dosiertem Ammonium verunreinigen?

Im Trinkwasser soll Ammonium nicht nachweisbar sein. Nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation für Trinkwässer von 1971 sind 0,005 mg/L Ammonium zulässig. Ammonium im Trinkwasser ist für den Menschen relativ ungiftig, doch weist ein Vorkommen von Ammonium im Trinkwasser auf die bakterielle Zersetzung von Harnstoff und Proteinen hin (erste Abbaustufe), das bedeutet, daß dasTrinkwasser verunreinigt ist. Bevor Abwässer in Flüsse geleitet werden, muß der Ammoniumgehalt drastisch gesenkt werden. In Kläranlagen geschieht dies durch nitrifizierende Bakterien, die Ammonium in Nitrat umwandeln. 
Nach der neuen Trinkwasserrichtlinie 98/83/EG und der deutschen Trinkwasserrichtlinie ist Ammonium ein Indikatorparameter 0,5 mg/l ist der Grenzwert. 
Quelle Lexikon Wasser: 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

A

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.