Mit Zeolith Klinoptilolith vollbiologisch oder mechanisch filtern. 13.06.2011 19:53

Mit Zeolith Klinoptilolith vollbiologisch oder mechanisch filtern.

Zeolith als vollbiologisches Filtermaterial, als Ionenaustauscher und Molekularsieb.

Die Verunsicherung über den Einsatz von Zeolith ist groß und immer wieder erreichen uns Fragen wie es richtig angewendet wird.

Aussagen wie, dass 200 Gramm ausreichend sind um ein 200 Liter Becken auf Wochen/Monate zu klären sind natürlich grundfalsch.

Zeolith ist wirklich ein fantastisches Material und das nicht nur zur Filterung des Aquariums, denn es wird weltweit wegen seiner vielen positiven Eigenschaften in vielen Bereichen eingesetzt.

Zeolith wirkt bei Einsatz in dem Aquarium 3fach, nämlich als vollbiologisches und mechanisches Filtermaterial, sowie als Molekularsieb.

Vollbiologische Filterung mit Zeolith:
Dieses ist die wichtigste Filterung überhaupt und das nicht nur im Aquarium, sondern in allen Gewässern um Schadstoffe ab zu bauen und unschädlich zu machen.
Nitrifizierende Bakterien wie Nitrobacter/Nitrosomonas, sowie weitere der Gattung Nitro oxidieren mit Hilfe von Sauerstoff Ammoniak zu Nitrit und Nitrit zu Nitrat.
Diese Bakterien brauchen Sauerstoff zum leben und ersticken wenn ihnen mit fließendem  Wasser nicht ständig Sauerstoff zu geführt wird.

Durch zugesetzte Filtermaterialien fließt kein Wasser mehr, welches sich physikalisch bedingt immer den Weg des geringsten Widerstandes sucht - siehe auch Tipps rund um das Aquarium unter richtiger Filterung!
Logischerweise bedarf es umso mehr dieser wichtigen Bakterien desto größer der Schadstoffeintrag durch Fischausscheidungen, Fütterung, usw. ist und darum sollte eine große Besiedlungsfläche für die guten Geister der Gewässer vorhanden sein.

Diese bietet Zeolith durch seine hervorragende Struktur die auch gewährleistet, dass immer sauerstoffhaltiges Wasser das gesamte Filtermaterial Zeolith durchströmen kann.

Das besondere an Zeolith zur vollbiologischen Filterung ist, dass sich die Bakterien regelrecht an das Zeolith anheften, da die Bakterien einen negativen Pol an der Kopfseite haben der die Anheftung auf dem positiv geladenen Zeolith ermöglicht.
So erklärt sich warum ein Zeolithkörnchen innerhalb von Wochen unter dem Mikroskop wie ein Wattebällchen aussieht.
Selbstverständlich wird vollbiologisch wirkendes Zeolith niemals regeneriert, sondern bei Bedarf und starker Verschmutzung nur leicht in Aquarienwasser abgespült.

Gutes und richtig vollbiologisch wirkendes Zeolith sieht auch nach Monaten noch nahezu wie frisch eingefüllt im Filter aus.

Merke:
Es sollte so viel Besiedlungsfläche als möglich für Bakterien vorhanden sein und wir haben mehrere Kunden mit Großaquarien die mit Biofilter-Becken unter diesen bis 120 Kg Zeolith im Einsatz haben wovon 60% der vollbiologischen und 40% der mechanischen Filterung dienen.
Das gesamte mögliche Filtervolumen im Außenfilter sollte der vollbiologischen Filterung dienen, wobei nur ein Vorfiltermaterial wie unser Grobfill (Empfehlung) oder Tonröhrchen eingesetzt werden sollten um eine lange Durchflussrate zu erreichen.

Obenauf eine grobe Filterschaumplatte die mit zunehmender Verschmutzung dann auch feinere Schwebepartikel bindet.

Mechanische Filterung mit Zeolith:
Diese erachten wir, der Erfolg unserer Kunden gibt uns recht, neben der vollbiologischen Filterung als sehr wichtig.
Zeolith wirkt Ionen austauschend, indem es Kationen aufnimmt und andere wichtige in dem Zeolith enthaltene Kationen an das Wasser abgibt. (Siehe Datenblatt)

Hier erwähnen wir nur das Ammonium-Kation welches ein stärkeres Ion ist als die Calcium, Kalium, oder Magnesium Ionen, die vorwiegend in dem Zeolith gelagert sind.
Das Ammonium-Ion verdrängt die anderen Kationen aus dem Zeolith und wird dauerhaft in diesem bis zur Regenerierung des Zeolith gebunden.

Ammonium welches dem Wasser entzogen wird kann in weiteren Schritten nicht mehr in Ammoniak/Nitrit/Nitrat überführt werden und somit das Wasser belasten.
Somit sind Wasserwechsel durch mechanische Zeolith-Filterung wesentlich seltener aus zu führen weil das Nitrat nicht so schnell ansteigt und im Idealfall sogar einen konstanten Wert von 10 - 15 mg/l erreicht da auch Pflanzen Großverbraucher für Nitrat sind und das täglich anfallende komplett aufnehmen könnten.

Außer Ammonium nimmt mechanisch wirkendes Zeolith auch viele weitere Stoffe auf, bindet Chlor und Schwermetalle dauerhaft und schafft glasklares Wasser.

Merke:
Ein Händchen voll Zeolith, mit 200 Gramm, wie oft empfohlen kann schon in einem Tag gesättigt sein und ist dann erst einmal völlig nutzlos, denn bis es in vollbiologische Filterung übergeht dauert es sehr lange.

Unsere Empfehlung zur mechanischen Zeolith-Filterung mit Regenerierung dessen alle 4 - 6 Wochen sind für ein 60 Liter Becken schon ein Säckchen mit 250 Gramm Zeolith, welches dann natürlich auch Wasseraufbereiter erspart.
(Als Faustregel gehen wir von 500 - 1000 g Zeolith pro 100 Liter Wasser aus.)

Der Vorteil der mechanischen Zeolith-Filterung liegt darin, dass die mechanische Filterung nicht im Filter statt finden muss, sondern einfach mit einem Säckchen in das Aquarium gehängt oder gelegt funktioniert.
Das vorbeifließende/strömende Wasser bewirkt hier schon den Austausch der Ionen.

Nicht richtig ist auch, dass man Zeolith mit 5 Gramm Kochsalz auf 1 Liter Wasser vollständig regenerieren kann, denn die aufgenommenen Ionen wie Ammonium und viele andere müssen ja wieder aus ihrer Position durch Regenerierung verdrängt werden.
Ist die Regenerierlösung zu schwach, dann funktioniert der umgekehrte Ionenaustausch nur unvollkommen.
Erforderliche Menge Kochsalz zur Regenerierung sind 50 Gramm Kochsalz auf 1 Liter Wasser.

Zeolith als Molekularsieb:
Zeolith kann außer Bakterien Siedlungsfläche zu bieten, oder Ionen aus zu tauschen auch noch Moleküle wie Gase (Schwefelwasserstoff, Chlor, etc.) binden, Wasser enthärten und vieles mehr.
Wichtig für Fische ist auch unser vielfältiges in unserem Komplex-Alleindünger oder Bio-Wasseraufbereiter eingesetztes micronisiertes Zeolith in Lebensmittelqualität, denn es nimmt auch im Körper der Tiere Stickstoffe auf.
Zeolith ist übrigens das einzige Material zur Aufnahme von Molekülen und viele andere Materialien wurden bisher dieser Aufgabe nicht, oder nur unzureichend gerecht.

Merke:
Da Zeolith Ionen austauschend auch Gase wie Chlor und Schwermetalle wie Kupfer bindet ist es der natürlichste Wasseraufbereiter überhaupt, denn herkömmliche Wasseraufbereiter zaubern Schadstoffe nicht einfach weg, sondern binden diese künstlich.
Diese gebundenen Stoffe können im Aquarium durch Bakterien oder Verdrängung durch andere Ionen wieder reaktiviert werden und somit das Wasser wieder belasten.
Durch rätselhaftes Massensterben von Garnelen mit Mattenfilterung in den Becken eines Züchters kamen wir hier auf diese Ursache.

Wichtig zu Wissen:
Nur frisches Zeolith wirkt auch als Molekularsieb zur Aufnahme von Gasen, denn um das Molekularsieb zu erhalten reicht eine einfache Regenerierung des Zeolith mit Kochsalz nicht aus, auch wenn das immer wieder behauptet wird.

Wer Zeolith zur mechanischen Filterung einsetzt kann dieses auch nach Regenerierung mit Kochsalz im Backofen wieder zum Molekularsieb aktivieren.
Das Zeolith wird hierzu auf ein Blech in den kalten Backofen gelegt und dann auf 250 Grad hoch gefahren.

Ist die Temperatur erreicht, dann noch 15 Minuten im Backofen bei 250 Grad belassen und anschließend abkühlen lassen.
Bei einfacher Regenerierung des Zeolith mit Kochsalz wird die Molekularsiebfunktion nicht erreicht, sodass die aufgenommenen Gase/Stoffe nicht abdampfen können.
Die Molekularsiebfunktion des Zeolith kann ansonsten nur durch eine Vakuummaßnahme mit Erzeugung von Unterdruck wieder hergestellt werden.

Tipp:
Wenn Sie Zeolith zur mechanischen Filterung verwenden dann bestellen Sie die doppelte Menge, denn dann haben Sie vor Regenerierung des gebrauchten immer frisches Zeolith mit Ionenaustausch und Molekularsiebfunktion.
Bei der oben aufgeführten Trocknungs/Erhitzungsmethode erreichen wir eine Trocknung von ca. 0,1 ppm H2O
 
So wirkt Zeolith mit Ersteinsatz im Aquarium:
Frisch eingesetztes Zeolith wirkt erst einmal Ionen austauschend, mit Bindung von Schwermetallen.
Zugleich auch als Molekularsieb zur Bindung von Chlor, Schwefelwasserstoff, etc.

Je länger das Zeolith im Einsatz ist, desto mehr verliert es auch seine Ionenaustausch/Molekularsiebfunktion mit zunehmender Sättigung durch Aufnahme der Stoffe.
Bei Einsatz im Filter mit ständigem Wasserfluss durch das Zeolith siedeln sich auf diesem dann auch schnell die Nitro-Bakterien an, die sich innerhalb 20 Stunden nur einmal verdoppeln, wodurch sich dann langsam die vollbiologische Filterung einstellt.
Auch mit Zeolithfilterung sollte man bei einer Aquarium-Neueinrichtung von einer Einfahrzeit des Aquariums von wenigstens 3 - 4 Wochen ausgehen.
Stellt man den Außenfilter zur vollbiologischen Filterung mit Zeolith um darf man natürlich nicht das gesamte Filtermaterial auf einmal, sondern nur 50% dessen austauschen.
50% altes Filtermaterial sollten im Filter verbleiben und können nach 3 Wochen auf 100% Zeolith umgestellt werden.
Da man sauerstoffbedürftige, also aerobe Bakterien weder konservieren noch einfrieren kann nutzen hier auch Bakterienstarter nichts um die Einlaufzeit zu verkürzen.

Verwendet man Zeolith zur mechanischen Filterung mit Säckchen in das Aquarium gehängt/gelegt, oder in separatem Filter/Biobecken, dann erschöpft sich dieses auch durch die Aufnahme von Ionen und Molekülen.
Riecht Wasser richtig nach Chlor, oder ist das Aquarium überbesetzt, dann sollte man das Zeolith alle 2 - 3 Wochen regenerieren.
Ebenso wenn man weiß, dass das Wasser stark mit Kupfer belastet ist.
Ansonsten genügt es das Zeolith alle 4 - 6 Wochen zu regenerieren.

Wichtig zu wissen:
Zeolith ist kein Wegwerfprodukt, sondern es ist auf Langzeit und Jahre verwendbar. (siehe hier)
Zur vollbiologischen Filterung bleiben die wichtigen Bakterien erhalten wenn man das Zeolith nur leicht in Aquarienwasser abspült.
Zur mechanischen Filterung ist Zeolith immer wieder regenerierbar, wobei wir aber einen Austausch alle 2 Jahre empfehlen um sicher zu sein, dass die Struktur des Zeolith durch das erhitzen nicht alterte, oder angegriffen wurde.

Z

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.