Kahmhaut im Aquarium

23.05.2011 23:12

Die Kahmhaut ist ein Biofilm oder Bakterienfilm, ist das was man am häufigsten darüber zu lesen bekommt.

Wie entsteht eine Kahmhaut und was bewirkt diese?

Nahezu alle Mikroorganismen existieren in Biofilmen, wobei die im Wasser lebenden Mikroorganismen besonders auf die Biofilme angewiesen sind um nicht weg gespült zu werden.
Unsere Aquarienfilter könnten gar nicht funktionieren wenn sich die Bakterien nicht mit Biofilmen an das Filtersubstrat anheften könnten.
Wie weit ihnen dies mit immenser Filterleistung trotz Biofilm möglich ist lassen wir hier einmal dahin gestellt sein.
Der Biofilm schützt zudem Mikroorganismen vor Fraßfeinden von denen es im Wasser reichlich gibt.
Wie die Blaualgen sind auch die Biofilme die älteste Form von Leben auf der Erde und wie die Blaualgen haben Bakterien mit dem Biofilm Ihr Dasein bis in alle Ewigkeit gesichert.

Ein sehr gutes Beispiel für deutlich sichtbaren Biofilm ist die gallertartige Masse die sich bei Einsatz von Bio CO2 Anlagen an dem Ausströmer bildet. An diesem siedeln sich Mikroorganismen an weil diese sich an der Verdunstung der Zucker-Hefe Lösung gütlich tun.
Absolut harmlos und unbedenklich, denn einige Saugwelse schlotzen diesen Biofilm auch gerne ab.

Kahmhaut dagegen ist nicht nur gefährlich weil diese den Gasaustausch des Wassers verhindert oder beeinträchtigt sondern auch weil hier Krankheitsherde durch verschiedene Erreger entstehen können.
Pathogene Mikroorganismen siedeln sich schnell in dem Biofilm Kahmhaut an und vermehren sich rasant, wenn diese erst dahin gelangt sind.
Hier reichts es schon bei bestehender Kahmhaut mit den Händen im Aquarienwasser tätig zu werden um Keime ein zu bringen.
Wer in dem Aquarium hantiert sollte sich nicht nur wegen schon bestehender Kahmhaut vorher die Hände waschen, sondern auch darum, um Kahmhautentstehung wegen fetthaltigen Rückständen an den Händen überhaupt zu vermeiden.

Ein wenig Fett an den Fingern kann schon eine Kahmhaut entstehen lassen.
Wenn Sie einen Wassereimer voll mit Wasser in den Garten stellen und ein Tröpfchen Öl auf das Wasser geben dann haben Sie einen Tag später einen Biofilm mit Bakterien in diesem.

Im Aquarium besteht die Kahmhaut aus lebenden und abgestorbenen Bakterien, aus Algen, Urtierchen wie Amöben, Glockentierchen, Strahlentierchen, Hefen, Pilzen, usw.

Kahmhaut ensteht auf dem Wasserspiegel an der Grenze zwischen der Gas und Flüssigkeitszone und meist in einer strömungsarmen Stelle des Wassers.
Wir beobachteten beginnende Kahmhaut in der Ecke des Filtereinlaufes und besondern häufig natürlich hinter der Matte von Mattenfiltern was ein weitere Grund dafür ist weshalb wir diese wegen der strömungsarmen Zone hinter der Matte nicht unbedingt empfehlen.

Kahmhaut bildende Bakterien sind meist immer aerobe (sauerstoffbedürftige) Bakterien zu denen sich bei geschlossener Kahmhaut aber auch später anaerobe Bakterien einfinden können.
Vermutlich auch durch Sauerstoffmangel im Bodenbereich können aerobe Bakterien sich neue Lebensbereiche suchen und in sauerstoffreichere Bedingungen abwandern.
Hier vermehren sich diese, bilden den Biofilm den dann auch andere Mikroorganismen gerne als neue Behausung annehmen und den Biofilm immer mehr verdichten.

Wußten Sie, dass Mikroorganismen, auch verschiedener Arten miteinander kommunizieren und sich koordinieren können?

Kein Witz und Sie können es hier in Wikipedia nachlesen und auch, dass Kahmhaut absolut nicht ungefährlich für die Bewohner eines Aquariums sein kann.

Auf die Frage eines Kunden wie er die Kahmhaut los werden kann die sich täglich neu sehr stark bildet sendeten wir die Antwort unten, wobei die empfohlenen Maßnahmen in blauer Schrift hinterlegt sind.

Das Problem mit der Kahmhaut, bzw. Biofilmen in Gewässern ist ein großes Thema, nicht nur Grenzflächen zwischen Wasser und Luft, oder das Aquarium betreffend.
Kahmhautbildung deutet immer auf eine Störung der biologischen Prozesse im Aquarium hin.


Die Zellen der Mikroorganismen haben eine sie umhüllende Schleimschicht,,die Schleimmatrix, auch EPS genannt und anorganische Substanzen die sich in dieser befinden bilden dann den Biofilm mit Nahrungsgrundlage für Keime/Mikroorganismen.

Die anorganischen Substanzen, als Nahrung für Mikroorganismen, können durchaus auch aus Dünger bestehen, denn gerade Eisen und Mangan-Oxide sind ein häufiger Bestandteil dieser Biofilme.
Auch Wasseraufbereiter können mit für einen Biofilm verantwortlich sein da diese aus dem Eiweß ähnelnden Substanzen bestehen.

Weitere Nahrungs-Substanzen aus der die Schleimschicht besteht sind Proteine, Saccharide und einige mehr.
Auch Stickstoff aus der Atmosphäre spielt noch eine Rolle, da Biofilme auch aus anaeroben Bakterien bestehen können. 
Biofilme bestehen aus verschiedenen Arten von Mikroorganismen die in einer Art Symbiose miteinander verbunden sind, sich physiologisch verständigen können und sich gemeinsam durch den Biofilm schützen.

Normalerweise kennen wir dieses aus unseren Filtern, denn auch die nitrifizierenden Bakterien bilden Biofilme an dem Filtersubstrat.
Wird der Lebensraum für alle Bakterienarten eng suchen sich diese neuen Lebensraum.
Eine Reduzierung der Keimdichte, sofern sich diese nicht mehr durch abtragen/auflösen entfernen lässt wäre angebracht da eine Reduzierung des Kohlenstoffs sich auf Grenzflächen und im Wasser überhaupt, nicht verwirklichen lässt.
Häufiger Grund für die Entstehung von Kahmhaut kann auch ein Mangel an Stickstoff und Phosphat sein.

Mikroorganismen die sich neue Lebensräume suchen und besiedeln geben vorhandene Lebensräume, vorwiegend Filter und Boden, nicht grundlos auf. 
In Böden ist ein häufiger Grund Schwefelwasserstoff der diese vertreibt, denn bereits 0,2 mg/l schädigen Bakterienatmung, ob aerob oder anaerob.
Sauerstoff freie Zonen in und über dem Boden, mit niedrigem Redoxpotential können auch eine Rolle spielen, da hier Eisen und Mangan, sowie organische Stoffe reduziert auftreten.
Sand als Bodengrund begünstigt natürlich die Bildung von Schwefelwasserstoff erheblich und Verfechtern von Sandböden stehen immer wesentlich mehr Problembeschreibungen durch Sandböden gegenüber.

In Filtern kann es begrenzter Lebensraum mit zu geringem Nahrungsangebot sein, denn gerade in Kleinaquarien mit Minifiltern tritt die Kahmhaut öfter als in größeren Aquarien auf.
Hier kann auch das richtige Filtermaterial eine große Rolle spielen, denn mit Einsatz Zeolithfilterung wurde zumindest bei einem Kunden dieses Problem mit weiteren unserer empfohlenen Maßnahmen behoben.

Inwieweit es mit dem Filtermaterial zusammenhängen könnte, können wir auch nur vermuten.
Möglicherweise werden Eisen und Mangan-Oxide von dem Zeolith gebunden und Mikroorganismen hier als Nahrungsquelle zugänglich gemacht.
Eventuell spielt auch die immens große Besiedlungsfläche des Zeolith eine weitere Rolle.

 
Maßnahmen zu denen wir Ihnen raten können sind erst einmal komplette Einstellung der Düngung, abfischen des Biofilmes weiterhin mit Klinex.
Gegebenenfalls Verzicht auf Wasseraufbereiter.
Keimdichtereduzierung mittels des Einsatzes von entmineralisiertem Wasser.
Da Sie Kati und Ani haben empfehlen wir einfach nur die Wasserwerte langsam, 3 literweise auf KH 4 zu senken, was auch Pflanzen und Garnelen gut tut.
Auch Calcium wurde vereinzelt als Bestandteil von Biofilmen erörtert.

 
Das Filtereinlaufsystem schauten wir uns gerade einmal an und die Beschreibung dazu klingt zwar schön, könnte aber auch einen erhöhten Eintrag von atmosphärischem Stickstoff und Kohlenstoff bewirken
Setzen Sie doch einmal nur den Auslaufschlauch des Filters alleine, halb über und halb unter Wasser einströmend ein.
Die Filterung mit Zeolith bezüglich auf Biofilme ist natürlich eine Spekulation und keine unbedingt empfohlene Maßnahme gegen Kahmhaut. Für das gesamte Wassermillieu ist es allerdings eine unbedingte Empfehlung.